Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft

Eine quantiative Darstellung

Frauen sind in den Führungsetagen bundesdeutscher Unternehmen gemessen an ihrem Anteil an den Erwerbstätigen immer noch starkt unterrepräsentiert. 2011 waren in den Top-200-Unternehmen nur 28 der 942 Vorstandsposten (3,0 %) und 296 der 2.268 Aufsichtsratspositionen (11,9 %) mit Frauen besetzt.1

Im mittleren Management liegt der Frauenanteil deutschlandweit bie 15 % in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden und bei 12 % in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden.2

In Mecklenburg-Vorpommern beträgt der Frauenanteil an Führungskräften in der ersten Führungsebene (Top-Management) 30 % und in der zweiten Führungsebene (Mittleres Management) 47 % (Ost: 30 bzw. 44 %). Gegenüber 2004 ist das ein Zuwachs von 2 bzw. 4 Prozentpunkten).

Tendenziell kann festgestellt werden, dass Frauen vor allem in Kleinstbetrieben mit weniger als fünf Beschäftigten, in Großbetrieben mit mehr als 250 Beschäftigten, in Betrieben mit einem hohen Anteil hochqualifizierter Frauen und in "frauentypischen" Branchen Chancen auf eine herausragende Führungsposition haben.3

Ursachen für die derzeitige Situation

Die Diskussion um mehr Frauen in Führungspositionen und vor allem die Frage, wie sie dort hinkommen, nimmt derzeit in der Öffentlichkeit einen breiten Raum ein. Dabei geht es sowohl um Ursachenforschung, also die Frage, warum eigentlich so wenig Frauen den Weg in eine Führungsposition finden, als auch um die Frage nach dem Nutzen, vor allem für Unternehmen.

Die Ursachen für die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen sind vielfältig. Einer der wichtigsten Punkte ist die sogenannte gläserne Decke. Frauen stoßen an einem gewissen Punkt ihrer Karriere an eine unsichtbare Barriere, die ihren Aufstieg behindert. Als Gründe werden u. a. eine stärkere Förderung männlicher Mitarbeiter durch ihre männlichen Vorgesetzten und der weitgehende Ausschluss von Frauen aus wichtigen beruflichen Netzwerken benannt.

Weitere Ursachen sind die fehlenden weiblichen Vorbilder, die horizontale Segregation am Arbeitsmarkt und innerhalb des Unternehmens, Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigung sowie die stillschweigende Annahme, dass Frauen irgendwann eine "Familienpause" einlegen werden und dann nicht mehr verfügbar sind.

Dabei ist Frauen durchaus bewusst, welche Voraussetzungen und Eigenschaften eine Führungsperson mitbringen muss, wenn sie erfolgreich sein will.

Warum Frauen Führungspositionen besetzen sollten

Die Gründe, warum Frauen Führungspositionen besetzen sollten, sind ebenso vielfältig, wie die Ursachen, warum sie es nicht tun. Untersuchungen, z. B. der Unternehmensberatung McKinsey, haben gezeigt, dass gemischte Führungsteams effektiver arbeiten und höhere Gewinne erzielen. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben haben einen positiven Einfluss auf die finanzielle Rendite eines Unternehmens.

Gerade gemischte Teams haben den Vorteil, dass männliche und weibliche Eigenschaften gewinnbringend miteinander verbunden werden. So lässt sich auch die Wahrscheinlichkeit von strategischen Fehlern vermindern. Die unterschiedlichen Kompetenzen und Perspektiven helfen Unternehmen, auf veränderte Situationen relativ schnell zu reagieren.

Zudem spielen Frauen als Kundinnen zunehmend eine wichtige Rolle. Dies wird jedoch von (männlichen) Produktentwicklern und Marketingstrategen noch viel zu wenig berücksichtigt, was negativen Einfluss auf Geschäftsabschlüsse haben kann.

Und auch das Image eines Unternehmens spielt eine Rolle. Letztlich wird zukünftig eine rein männliche Führungsriege ein Wettbewerbsnachteil sein und dem Image eines Unternehmens schaden.

Quellen

1 Managerinnen-Barometer 2011. DIW Wochenbericht 3/2012.

2 Wippermann, Carsten: Frauen in Führungspositionen. Barrieren und Brücken. Studie der Sinus Sociovision GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heidelberg 2010.

3 Ministerium für Arbeit, Wirtschaft, und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): IAB-Betriebspanel Mecklenburg-Vorpommern. Ergebnisse der 13. Welle 2008. Berlin 2009.