Frauen in Führungspositionen der Wissenschaft

Insgesamt sind an den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern 122 der 816 Professor/innenstellen mit Frauen besetzt (= 15 %). Klammert man die Fachhochschulen aus und betrachtet nur die Universitäten ist der Anteil noch einmal deutlich niedriger (13,4 %).* Im Bereich der W3/C4-Professuren, also den Professuren mit der höchsten Besoldungsstufe, liegt der Frauenanteil mit 9,9 % noch einmal deutlich darunter.**

Betrachtet man zum Vergleich die Zahl der Studentinnen an den Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern, ist das Missverhältnis besonders auffallend. 2009 waren 50,4 % der Studienanfänger/innen***, 50,9 % der Studierenden**** und 54,1 % der Absolvet/innen***** weiblich.

Frauenquote an Hochschulen

Frauen in wissenschaftlichen Führungspositionen stehen noch immer vor vielen Hindernissen: das spezielle Rollverständnis von Frauen und Männern, strukturelle Barrieren, die Mobilitätserfordernis der modernen Wissenschaft und die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben. Diese sorgen für ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht, das die Förderung der Chancengleichheit behindert und beträchtliche Folgen für die Vielfalt der Forschung hat.

Gleichzeitig gilt es, Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit zu finden und so die internationale Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu sichern. Gut ausgebildete Frauen und Männern sind der Schlüssel zu mehr Innovation, Wachstum und Fortschritt.

Allerdings erhalten innovative Produkte nur dann Akzeptanz, wenn sie auf Anforderungen und Bedürfnisse von Männern und Frauen zugeschnitten sind. Darum gilt es, Wissenschaftlerinnen an Vorhaben der Spitzenforschung zu beteiligen und so die Geschlechterthematik in die Forschung zu integrieren. Dann kommen Innovationen auch Frauen und Männern gleichermaßen zugute.

Die Hochschulen stecken in einem Wettbewerb um knappe finanzielle und personelle Ressourcen. Deswegen gilt es, das Potenzial herausragend ausgebildeter Frauen stärker zu nutzen. Männer forschen aus männlicher Perspektive. Durch die Zusammenarbeit mit Frauen erfolgen andere Ansprüche an Produkte und Technologien. Dadurch werden neue Aspekte eingebracht und neue Paradigmen in der Wissenschaft eröffnet. Gleichzeitig ist eine stärkere Beherrschbarkeit der Technologien, eine bessere Risikofolgenabschätzung sowie eine stärkere gesellschaftliche Einbettung durch die zunehmende Berücksichtigung der Umwelt- und Sozialverträglichkeit der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung erkennbar.

Vielfalt ist der Schlüssel zur Kreativität und bringt einen großen Mehrwert für die Qualität der Wissenschaft. Gemischte Teams sind in Forschung und Entwicklung besonders erfolgreich – ähnlich wie in der Wirtschaft.

* Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Personal an Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern 2009. Schwerin 2010. ** Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Personal an Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern 2008. Schwerin 2009. *** Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Studienanfänger an Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern 2009. Schwerin 2010. ****Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Studierende an Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern 2009. Schwerin 2010. ***** Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Akademische, staatliche und kirchliche Abschlussprüfungen in Mecklenburg-Vorpommern 2009. Schwerin 2010.