Unternehmensnachfolge durch Frauen in Mecklenburg-Vorpommern

1.900 Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 18.000 Beschäftigten benötigen zwischen 2010 und 2014 - zumeist aus Altersgründen - einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Als übergabewürdig gelten dabei nach Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn Unternehmen, die einen Jahresmindestgewinn von 49.500 EUR erwirtschaften.* Andere, am Unternehmsumsatz orientierte Schätzungen gehen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren bis zu 14.000 Unternehmen in MV mit dem Thema Nachfolge beschäftigen müssen.

Eine Unternehmensübergabe ist ein vielschichtiger Prozess, in dessen Verlauf rechtlliche, finanzielle, steuerliche und häufig auch emotionale Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Eine Nachfolge vorzubereiten, dauert deshalb in der Regel bis zu fünf Jahre. Gelingt eine Unternehmens-Übergabe nicht, drohen die Firmen-Stillegung und der Verlust von Arbeitsplätzen. Dennoch ist nach Angaben des IfM Bonn* nur jede zweite der betroffenen Firmen auf eine Unternehmensübergabe vorbereitet.

Zugleich sinkt wegen des demografischen Wandels und anhaltender Abwanderung die Anzahl jüngerer Menschen im Land, die ein Unternehmen führen können und wollen. Jedes vierte Unternehmen gibt an, sich einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin mit akademischem Abschluss zu wünschen. Dieser Bedarf kann nach Berechnungen der Hochschule Wismar gegenwärtig nur zur Hälfte aus landeseigenen Ressourcen gedeckt werden. Unternehmen stehen daher vor der Aufgabe, Gründungsinteressierte - und insbesondere Frauen - mehr als bisher für eine Unternehmensnachfolge in MV zu motivieren.

Gut qualifizierte, führungsstarke Frauen in Mecklenburg-Vorpommern stellen ein wichtiges Potenzial für die Unternehmensnachfolge dar. Eine Nachfolge bietet ihnen eine klare berufliche Perspektive im Land und eine interessante Alternative zur abhängigen Beschäftigung oder gar Abwanderung. Bislang ist aber "der Neue an der Spitze" nur selten weiblich. Frauen gründen heutzutage zwar jedes dritte Unternehmen in MV, ihr Anteil an den Unternehmensnachfolgen im Land liegt aber bei maximal 24 Prozent.

2009 hat die Parlamentarische Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung MV, Dr. Margret Seemann, deshalb die Aktion "Nachfolge ist weiblich" gestartet. Zu den ersten Erfolgen der landesweit von IMPULS MV und der IDB Rostock GmbH veranstalteten Nachfolgekonferenzen zählt, dass der Frauenanteil an den von Landes-Koordinierungsstelle für Unternehmensnachfolge "Brücke MV" betreuten Unternehmensübergaben von anfangs 15 bis 20 Prozent auf derzeit 24 Prozent (Stand: 12/2010) gesteigert werden konnte

*Hans-Eduard Hauser/Rosemarie Kay: Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2010 bis 2014. Institut für Mittelstandsforschung (Hg). Bonn, 2010.