Unternehmensnachfolge durch Frauen
11.06.2010 13:46
Potentiale - Realitäten - Perspektiven
Burg Stargard - "Eine erfolgreiche Veranstaltung" konstatieren die Organisatorinnen und Organisatoren, waren doch mehr als 90 Besucherinnen und Besucher der Einladung zur Fachtagung in den Burggasthof zur "Alten Münze" gefolgt.
In Fachreferaten und einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde der Frage nachgegangen, wie Beratung gestaltet und umgesetzt werden muss, um die Potentiale von Frauen für eine erfolgreiche Übernahme eines Unternehmens noch besser zu nutzen.
Dass diesem Thema auch landespolitisch große Bedeutung beigemessen wird, zeigen die Beteiligungen der Parlamentarischen Staatsekretärin für Frauen und Gleichstellung Dr. Margret Seemann und des Ministers für Wirtschaft Arbeit und Tourismus Jürgen Seidel.
Zum Teilnahmekreis der Fachtagung gehörten neben Unternehmerinnen und Unternehmern, Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammern, der Industrie- und Handelskammern, der Wirtschaftsförderung, von Unternehmensberatungen, der Arbeitsagentur und den ARGEN sowie Bildungseinrichtungen auch Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung, so die Landrätin des Landkreises Müritz Bettina Paetsch und der Landrat des Landkreises Mecklenburg-Strelitz Heiko Kärger.
Dass Handlungsbedarf besteht, kam schon in den Grußworten zum Ausdruck. So stellte Seemann heraus, dass weniger als ein Viertel der Unternehmen, die in MV aus Altersgründen ein Nachfolgeproblem haben, an Frauen übergeben werden. Aktuell steht dieses Problem aber für
14.000 Unternehmen im Land an. Frauen bringen beste Voraussetzungen mit, insbesondere auch ein gutes Qualifikationsniveau. Ihre Potentiale und Kompetenzen müssen viel stärker eingebunden und genutzt werden, betonte Seemann. "Frauen in der Rolle der Unternehmerin sind in Mecklenburg-Vorpommern noch immer keine Selbstverständlichkeit, obwohl etwa 45 Prozent der Erwerbstätigen weiblich sind", betonte Minister Seidel in seinem Grußwort. Gleichzeitig verwies er auf Fördermöglichkeiten, die das Land für die Begleitung der Unternehmensnachfolge zur Verfügung stellt.
Eva-Maria Mertens vom Kompetenzzentrum Frauen in Naturwissenschaft und Technik der Fachhochschule Stralsund stellte eine Situationsanalyse zu Personal- und Nachfolgebedarfen von Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern im Hinblick auf neue berufliche Chancen für Frauen in Führungspositionen vor. Sie konnte dabei auf die Forschungsergebnisse aus einem Projekt in Zusammenarbeit mit ATIKüste zurückgreifen, aber auch ganz aktuelle Befragungsergebnisse aus einer laufenden Untersuchung präsentieren.
Zur Notwendigkeit und Spezifik in der Beratung von Frauen für eine Unternehmensnachfolge sprach Dr. Jenna Voss, Vorstandsmitglied des Deutschen Gründerinnforums. Sie betonte in ihrem Beitrag, dass es keine neutrale Beratung gibt. So haben Frauen andere Beweggründe zu gründen, als Männer. Beratung muss sehr eng am jeweiligen und spezifischen Bedarf orientiert sein. Als Autorin des Handbuches zur gendersensiblen Beratung konnte sie auf entsprechende Qualitätsstandards verweisen, die unter ihrer Mitarbeit erarbeitet wurden.
Die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen Beratung bestätigte auch Manfred Hartz als Vertreter der Landeskoordinierungsstelle für Unternehmensnachfolge Brücke MV in seinem Erfahrungsbericht. Die dafür noch notwendige Qualifizierung der Beraterinnen und Berater wird jetzt gemeinsam mit der Fachhochschule Stralsund in Angriff genommen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten zwei Unternehmerinnen der Region über ihre praktischen Erfahrungen der Übernahme. Sie ermutigten zu diesem Schritt und machten deutlich, dass die Motive für die Übernahme eines Unternehmens sehr unterschiedlich sind. Gute Beispiele sollten noch besser in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Die Podiumsrunde schloss mit einem Ausblick, den Marianne Eichler, Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Mecklenburg-Strelitz geben konnte. So ist geplant, dass auf einer nachfolgenden Veranstaltung der Erfahrungsaustausch und das Zusammenführen von Unternehmen mit potenziellen Übernehmerinnen im Fokus stehen wird.
Für die Fachtagung gab es viel positives Feedback aus den Reihen der Anwesenden, so sagte eine Besucherin, selbst Unternehmerin: "Ich habe Einblicke in das Problem der Unternehmensnachfolge bekommen und wurde angeregt, über meine eigene Nachfolgeregelung nachzudenken."
Die Veranstaltung wurde in Kooperation von IMPULS MV – Regionalstellen für Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt in Trägerschaft des Landesfrauenrates MV, den Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten der Region Mecklenburgische Seenplatte, der Koordinierungsstelle Unternehmensnachfolge BRÜCKE MV und dem IDB Rostock vorbereitet und durchgeführt. Die Fachtagung wurde gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Landkreise Müritz, Mecklenburg-Strelitz und der Stadt Neustrelitz.
Mehr Informationen:
Vortrag Dr. J. Voss (Vorstand DGF)
Vortrag E.-M- Mertens (FH Stralsund)
Vortrag M. Hartz (Brücke MV)
Presse - Dr. Seemann (PSS MV)
Presse - Minister Seidel
Informationen/Hintergründe:
Auftaktveranstaltung "Unternehmensnachfolge durch Frauen"
Deutsches Gründerinnen Forum e.V.
Kompetenzzentrum Frauen in Naturwissenschaft und Technik (Fachhochschule Stralsund)
Brücke MV - Koordinierungsstelle Unternehmensnachfolge
Institut für Datenverarbeitung und Betriebswirtschaft (IDB) Rostock
Kontakt für Rückfragen:
IMPULS MV - Regionalstelle Mecklenburgische Seenplatte
E-Mail: impuls.schmidt@landesfrauenrat-mv.de