Vereinbarkeit von Familie und Beruf - wie steht es damit in Malchin?
17.11.2010 15:53
Netzwerk Chancengleichheit informiert sich in Unternehmen der Stadt
Wie können Frauen und Männer ihre Erwerbstätigkeit noch besser mit familiären Belangen, wie der Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen in Einklang bringen? Welche Vorteile erwachsen daraus aber auch für Unternehmen der Region? Diesen Fragen gingen die Akteurinnen des Netzwerkes Chancengleichheit im Landkreis Demmin nach und besuchten dazu einige Unternehmen der Stadt Malchin.
Die erste Station war mit der Firma Cargill die weltweit größte Produktionsstätte für standardisiertes Pektin. Vom Betriebsleiter Dieter Gelzer erfuhren die interessierten Zuhörerinnen einiges über das Herstellungsverfahren und die Rahmenbedingungen für die Angestellten im Unternehmen.
Mit einer sich anschließende Betriebsbesichtigung wurde das umgesetzt, was das Unternehmen jetzt verstärkt vor hat. Nämlich sich mehr als bisher auch nach außen zu öffnen. "Wir sind jetzt so weit mit der Umstrukturierung des Unternehmens vorangekommen, dass wir auch verstärkt mit unseren guten Arbeitsbedingungen werben können", wirbt der Fachmann für sein Unternehmen. "Dabei machen wir uns auch Gedanken, wie wir die Ausfallzeiten senken und unseren Mitarbeitenden eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen können, denn davon haben wir als Unternehmen auch Vorteile", ist sich Gelzer sicher.
Aber auch er hat eine Fragestellung an die Besucherinnen vorbereitet. Wo denn das Netzwerk die Schwerpunkte für die Gleichstellungsarbeit in der Region sieht, wollte er wissen. Schnell kam man miteinander ins Gespräch und merkte, dass die Ansichten inhaltlich gar nicht so weit entfernt sind. Mehr Frauen in technische Berufe und in Führungspositionen auch in Unternehmen waren Themen, zu denen sich auch die Betriebsleitung Gedanken macht. "Wir werden uns auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder am Girls Day beteiligen", versprach der Betriebsleiter.
Zur praktischen Dokumentation der Firmenphilosophie hatte er Mitarbeiterinnen mitgebracht, die in den unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens tätig sind und auch Führungspositionen inne haben. Christiane Orlowski, Personalleiterin, berichtete aus eigenem Erfahren über Arbeitszeitmodelle, die es ihr möglichen, trotz Kindern eine Führungsposition zu bekleiden.
Beeindruckt zeigten sich die Besucherinnen auch vom Engagement des Unternehmens eigene Fachkräfte auszubilden und sie auch finanziell dabei zu unterstützen. Das zahlt sich natürlich für das Unternehmen zukünftig auch aus. Denn Fachkräfte werden zunehmend rar. Auf Nachfrage von IMPULS MV bekundete Dieter Gelzer durchaus auch Interesse, über gute Erfahrungen und vereinbarkeitsorientierte Maßnahmen mit anderen Unternehmen dazu ins Gespräch zu kommen.
Eine weitere Station des Tages war das Bonhoeffer-Klinikum mit seiner Außenstelle in Malchin. Die Vertreterin des Personalrates konnte über eine Fülle von Maßnahmen berichten, die für gute Bedingungen für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sorgen. So gibt es Arbeitszeitkonten, die es ermöglichen, sich bei Bedarf verstärkt der Betreuung von Kinder oder Familienangehörigen zuzuwenden.
Die Geburt eines Kindes wird mit 250 € honoriert und Mitarbeiterfeste, die auch die Kinder mit einbeziehen, gehören schon zur Tradition des Hauses. Kinderbetreuung auch am Wochenende wird bei Bedarf über Tagesmütter organisiert und weitere unterstützende Leistungen werden individuell vereinbart. "Es kann sich wahrlich sehen lassen, was im Klinikum für die Mitarbeitenden getan wird", das war die abschließende Einschätzung der Akteurinnen des Netzwerkes Chancengleichheit.
Zum Programm des Tages gehörten auch der Besuch von drei Existenzgründerinnen in den Bereichen Physiotherapie und Gesundheitsprävention. Die Frauen berichteten, wie es ihnen gelingt, das große berufliche Engagement mit den familiären Belangen in Einklang zu bringen. Das Zauberwort hier heißt straffes Zeitmanagement und Setzen von Prioritäten.
Der Bürgermeister der Stadt Malchin Jörg Lange ließ es sich nicht nehmen, die Netzwerkerinnen in seiner Stadt zu begrüßen und über Erfahrungen aus seinem Verwaltungsbereich zum Thema vereinbarkeitsorientierte Personalpolitik zu berichten. "Es ist durchaus möglich, individuelle Arbeitszeitregelungen zu treffen und auch einmal die Arbeit von zu Hause aus zu erledigen, wenn es erforderlich ist", benennt der Bürgermeister einige Möglichkeiten in seinem Haus auf Anfrage von IMPULS MV.
Die abschließende Einschätzung des Netzwerkes für diesen Tag war durchweg positiv. Es war ein sehr interessanter Tag mit vielen Anregungen für die eigene Arbeit. Man wird weiter das Thema Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben in die öffentliche Wahrnehmung bringen um noch mehr Unternehmen vom Nutzen für beide Seiten zu überzeugen.
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IMPULS MV - Regionalstelle Mecklenburgische Seenplatte
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