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Berufspraxis im Fokus

03.11.2010 08:23

Fachtag in Grabow informierte über Berufsorientierung durch Praxislerntage

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Die Referent/innen Herr Heiden, Frau Krebs, Herr Müller und Frau Franck  (v.l.n.r.)
Die Referent/innen Herr Heiden, Frau Krebs, Herr Müller und Frau Franck (v.l.n.r.)

Schwerin - Wie Praxislerntage als ein effizientes Mittel zur Berufsorientierung bei Jugendlichen eingesetzt werden können, stand im Mittelpunkt eines Fachtages am Dienstag (02.11.10) in der Grabower Schau(m)manufaktur.

Vor mehr als 40 Interessierten aus Schulen und Bildungsträgern im Landkreis Ludwigslust sprach Sabine Klemm von der IMPULS- Regionalstelle Westmecklenburg zunächst über die Bedeutung der Geschlechterdimension für die Berufswahl Jugendlicher:

„Geschlechterzuschreibungen erfahren wir von Geburt an. Dabei lohnt es sich, althergebrachte Annahmen zu hinterfragen", erläuterte Klemm. So sei die Tätigkeit in einem "Frauenberuf" wie der Altenpflege körperlich ebenso anstrengend wie ein Job auf dem Bau. Heute, wo es in Mecklenburg-Vorpommern an Fachkräftenachwuchs mangele, sei es wichtiger denn je, alle Ressourcen zu nutzen. "Das bedeutet aber, Menschen nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten und nicht nach ihrem Geschlecht zu fördern", betonte Klemm. Schon in der Schule müssten Mädchen verstärkt für naturwissenschaftlich-technische Fächer und Jungen für medizinische und erzieherische Berufe interessiert werden.

In den sich anschließenden Fachvorträgen erläuterte Eberhardt Müller, Geschäftsführer der Qualifizierungs- und Entwicklungsgesellschaft (QEG) Wismar mbH, wie der Praxislerntag in Wismar und im Landkreis Nordwestmecklenburg umgesetzt wird. Dabei betonte er, wie wichtig das gut funktionierende Netzwerk aus Unternehmen, Schulen und Ausbildungsträgern sei.

Claudia Krebs, AWT-Lehrerin, berichtete über den erfolgreichen Praxislerntag an der Regionalen Schule Lübstorf. Die Schule kooperiere mit 26 Unternehmen. Als einen positiven Nebeneffekt des Praxislerntages beschrieb Krebs, dass Schüler/innen lernten, ihre eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen. Erfolgserlebnisse motivierten die Jugendlichen, ihre schulischen Leistungen zu verbessern.

Die Einführung des Praxislerntages wirft viele Fragen auf – angefangen von Versicherungsfragen und rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zur Integration der Praxisstunden in die Stundentafel. Auf großes Interesse stießen deshalb auch die Fachbeiträge von Manuela Franck Projektleiterin der Beruflichen Bildungsstätte (BBS) Start GmbH, und Rainer Haiden, Schulleiter der Regionalen Schule „Caspar-David-Friedrich“ in Greifswald. Franck berichtete über die derzeitige Einführung des Praxislerntages an der Regionalen Schule „Friedrich Rohr“ in Grabow. Haiden erläuterte Modelle zur Integration von Praxisstunden in die Stundentafel.

Veranstaltet wurde der Fachtag „Berufsorientierung im Landkreis Ludwigslust – Praxislerntage und mehr!“ von IMPULS MV und dem Service Point Schule-Beruf der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ludwigslust.

Ausführliche Informationen zum Fachtag und den Redebeiträgen erhalten Interessierte im Internet unter www.impuls-mv.de/wm. Schulen, die Praxislerntage einführen wollen, helfen der Servicepoint Schule-Beruf der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ludwigslust und die IMPULS-Regionalstelle Westmecklenburg weiter.

Hintergrund

Zu Beginn des Lehrjahres 2010/11 gab es in MV mehr als 3.600 unbesetzte Ausbildungsstellen. Die Chancen für eine gute Ausbildung sind seit der Wende so gut wie nie. Andererseits beklagen Ausbildungsbetriebe unzureichende Grundkenntnisse, -fähigkeiten und Motivation von jungen Bewerber/innen. Obwohl ihnen mit Probezeiten und Nachhilfeangeboten seitens der Ausbildungsbetriebe entgegen gekommen wird, können Auszubildende nicht gehalten werden, wenn sie die Anforderungen der Berufsschulen nicht erfüllen. Ein Grund für Ausbildungsabbrüche liegt in der Nichtkenntnis von Berufsbildern bei den Bewerber/innen. Schulabsolvent/innen mit guten Startchancen verlassen leichter ihre Heimatregion. Ihre Rückkehr ist ungewiss und in einem hohen Maße davon abhängig, welche beruflichen Perspektiven sich hier für sie bieten.

Um einem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, müssen alle Ressourcen genutzt werden. Das bedeutet auch, Geschlechterzuschreibungen aufzubrechen und Mädchen und Jungen die gleichen Chancen für ihre Berufswahl zu geben. Nach wie vor wählen junge Frauen aus einem begrenzten Spektrum ihren Beruf und nehmen damit von vornherein geringe Entlohnung, wenig bis keine Aufstiegschancen und z.T. familienunfreundliche Arbeitszeiten in Kauf. Der Vorsprung junger Frauen in den schulischen Abschlüssen gegenüber den jungen Männern spiegelt sich nicht mehr in ihrem Berufsleben wider.

Über IMPULS MV

IMPULS MV ist eine Fachstelle des Landesfrauenrats MV e.V., die sich in Mecklenburg-Vorpommern für mehr Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben engagiert.

Zu diesem Zweck sollen gemeinsam mit Projektträgern und Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Erwerbssituation insbesondere von Frauen beitragen.

Das Themenspektrum von IMPULS MV umfasst Fragen der Berufs(früh)orientierung von Mädchen und Jungen ebenso wie die Themen berufsbezogene Weiterbildung und Qualifizierung oder Existenzgründung und Unternehmensnachfolge durch Frauen. Um einen hohen Regionalbezug und eine enge Zusammenarbeit vor Ort zu gewährleisten, unterhält IMPULS MV insgesamt fünf Regionalstellen in Anklam, Schwerin, Rostock, Stralsund und Waren (Müritz).

IMPULS MV wird aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie des Europäischen Sozialfonds gefördert.

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