Berufswahl in MV: Junge Frauen riskieren niedrige Löhne und geringe Aufstiegschancen im späteren Erwerbsleben
17.09.2010 10:57
IMPULS MV wirbt für mehr geschlechtersensible Berufsorientierung
Schriftenreihe IMPULS MV 04 "Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt" downloaden
Medieninformation vom 20.09.2010 downloaden
Im August 2010 gab es in Mecklenburg-Vorpommern rund 1.270 mehr Ausbildungsplätze als Bewerberinnen und Bewerber. Allein bei den Fertigungsberufen waren 1.082 offene Stellen gemeldet.* Trotzdem werden sich im laufenden Ausbildungsjahr nur 14 Prozent der weiblichen Auszubildenden für einen Fertigungsberuf entscheiden:
"Junge Frauen bevorzugen Ausbildungen im Dienstleistungsbereich. Etwa jede zweite wählt einen aus den nur zehn am stärksten von Frauen besetzten Berufen. Verkäuferin im Einzelhandel ist dabei in Mecklenburg- Vorpommern weiterhin der Berufswahl-Favorit", erläutert Charlotte Ortmann von der Fachgruppe Berufsorientierung bei IMPULS MV.
Ein ähnliches Bild ergebe sich auch bei der Wahl von Studienrichtungen: Drei Viertel der Studierenden in Fachrichtungen wie Kultur- und Sprachwissenschaften im Land seien Frauen. In ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen betrage ihr Anteil hingegen nur 25 Prozent.**
"Bezahlung, Karrierewege und die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben scheinen bei der Entscheidung für einen Beruf kaum eine Rolle zu spielen", ergänzt Fachgruppenmitglied Sabine Klemm aus IMPULS-Regionalstelle Westmecklenburg.
IMPULS MV sei es deshalb wichtig gewesen, Daten und Hintergründe zur Berufswahl von Mädchen und Jungen im Land zusammenzutragen.
Diese legt die Fachstelle des Landesfrauenrates MV zur Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt jetzt mit der Publikation "Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt – Berufswahl von Mädchen und Jungen in MV" vor.
"Wir wollten anhand aktueller Daten und Fakten Zusammenhänge von Geschlecht, Berufswahl und Erwerbsbiografie in unserem Land illustrieren – und für die Potenziale werben, die sich aus einer geschlechtersensiblen Haltung aller am Prozess der Berufsorientierung Beteiligten ergeben", erläutert Klemm das Anliegen der Publikation.
"Trotz vielseitiger Bemühungen haben sich überkommene, geschlechterspezifische Berufswahlmuster kaum verändert", führt Ortmann aus.
Schon die Berufswünsche Jugendlicher ließen sozialisationsbedingte Rollenstereotype vermuten: "Die Berufswünsche der Mädchen sind sozial motiviert, für Jungen geht es eher um gute Bezahlung und sichere Berufspositionen." Im Bereich der Berufswahl spielten immer noch tradierte Vorstellungen von Arbeitsteilung eine Rolle.
Deswegen sei es auch Aufgabe der Berufsorientierung, das Berufswahlspektrum von jungen Frauen und Männern zu erweitern und so Geschlechterstereotype aufzubrechen.
Download:
Medieninformation vom 20.09.2010
* Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): Bewerber und Ausbildungsstellen in Mecklenburg-
Vorpommern. Nürnberg 2010.
** Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch
Mecklenburg-Vorpommern 2009. Schwerin 2008. S. 100 f.