Frauen in MV verdienen rund ein Zwölftel weniger als ihre männlichen Kollegen
25.03.2010 15:17
Publikation von IMPULS MV informiet über Entgeltunterschiede im Nordosten
Medieninformation downloaden
"Fair oder prekär? Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in Mecklenburg-Vorpommern" downloaden
Etwa 1.400 Euro pro Monat verdient ein Mann, der in Mecklenburg-Vorpommern im Handel beschäftigt ist. Gut 250 Euro weniger, rund 1.150 Euro, bringt eine Frau aus der Branche in der Zeit nach Hause.* Als "Gender Pay Gap" (geschlechtsspezifischen Lohn- bzw. Gehaltsabstand) bezeichnen Fachleute dieses Phänomen.
Darüber, wie hoch die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in MV sind und warum es sie gibt, informiert jetzt eine Publikation von IMPULS MV. "Anlässlich des Equal Pay Days am 26. März wollen wir als Fachstelle des Landesfrauenrats zur Gleichstellung am Arbeitsmarkt darauf hinweisen, dass auch in unserem Bundesland Frauen deutlich weniger verdienen als Männer", erklärt Elke-Annette Schmidt aus der IMPULS-Regionalstelle in Waren (Müritz).
Der Lohn- bzw. Gehaltsabstand in Deutschland beliefe sich auf durchschnittlich 23 Prozent.** Dagegen schneide MV mit rund acht Prozent zwar gut ab. "Allerdings", schränkt Schmidt ein, "trifft das Einkommensminus Frauen wegen des ohnehin sehr niedrigen Lohn- bzw. Gehaltsniveaus im Land besonders hart". So stünden den knapp 23.000 männlichen Aufstockern in MV fast 28.000 abhängig beschäftigte Frauen gegenüber, die auf Hartz IV angewiesen seien, um über den Monat zu kommen. Damit seien fast 55 Prozent der abhängig beschäftigten Aufstocker/innen Frauen.*** Ihr Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liege hingegen nur bei rund 51 Prozent.*
Die Gründe für die Einkommensunterschiede seien vielschichtig, erläutert Schmidt. So sei die Arbeit in Berufen, die traditionell eher von Frauen ausgeübt werden, oft schlecht bezahlt. Der Brutto-Jahresverdienst einer Friseurin beliefe sich beispielsweise auf gerade einmal 12.350 Euro, während ein Mauerer 21.700 Euro bekomme.* Zudem würden Frauen in MV häufig ungewollt in Teilzeit arbeiten und seien wesentlich seltener als Männer in Führungspositionen vertreten. "Fragt man nach den Ursachen hierfür, muss man letztendlich immer wieder überkommene Geschlechtsrollen-Bilder und die Aufgabenverteilung in Familien benennen", meint Schmidt.
"Fair oder Prekär? Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in Meck-lenburg-Vorpommern" kann auf der Website von IMPULS MV unter www.impuls-mv.de/downloads heruntergeladen werden. Das Heft ist die erste Publikation der Schriftenreihe "IMPULS MV", die künftig über wichtige Einzelaspekte der Erwerbssituation von Frauen und Männern in Mecklenburg-Vorpommern informieren will.
Über IMPULS MV
IMPULS MV ist eine Fachstelle des Landesfrauenrats MV e.V., die sich in Mecklenburg-Vorpommern für mehr Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbsleben engagiert.
Zu diesem Zweck sollen gemeinsam mit Projektträgern und Vertreter/innen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Erwerbssituation insbesondere von Frauen beitragen.
Das Themenspektrum von IMPULS MV umfasst Fragen der Berufsfrühorientierung von Mädchen und Jungen ebenso wie berufsbezogene Weiterbildung und Qualifizierung oder die Existenzgründung und Unternehmensnachfolge durch Frauen.
Um einen hohen Regionalbezug und eine enge Zusammenarbeit vor Ort zu gewährleisten, unterhält IMPULS MV insgesamt fünf Regionalstellen in Anklam, Ludwigslust, Rostock, Stralsund und Waren (Müritz).
IMPULS MV wird aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie des Europäischen Sozialfonds gefördert.
Equal Pay Day
Der Equal Pay Day (Tag der Entgeltgleichheit) wurde in den 1990er Jahren von US-amerikanischen Geschäftsfrauen in das Leben gerufen. Durch das Tragen roter Taschen machten sie an diesem Tag auf das Minus in ihren Geldbörsen aufmerksam. In Deutschland wird der Equal Pay Day seit 2008 begangen.
Die zentrale Veranstaltung für Mecklenburg-Vorpommern findet in diesem Jahr in Neubrandenburg statt. Sie wird u.a. vom DGB Nord, IMPULS MV und dem Landesfrauenrat MV e.V. unterstützt.
Quellen:
* Statistisches Jahrbuch Mecklenburg-Vorpommern 2009. Statistisches Amt MV (Hrg.), Schwerin, 2009.
** 2008 - Verdienstunterschied von Männern und Frauen weiter bei 23%. Pressemitteilung Nr. 428 des Statistischen Bundesamtes vom 12.11.2009.
*** Arbeitslose Nichtleistungsempfänger im Rechtskreis SGB III nach Geschlecht. Statistik der Bundesagentur für Arbeit vom 14.12.2009 (unveröffentlicht).